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die presse
Freie Presse, 02. März 2004:
Kunst zieht in Blumenladen
Startschuss für Artfusionskeller in Hohenstein-Ernstthal
Limbach-Oberfrohna/Hohenstein-Ernstthal.
Christian Kurze,
18-jähriger Student aus Röhrsdorf,
hat soeben die Homepage zum Artfusionskeller-Projekt freigeschalten.
Sie befindet sich zwar noch im Aufbau, doch erste Informationen zu
den Vorbildern für das Kunstprojekt sind bereits darauf zu finden.
Und am Freitagabend fiel auch der
offizielle Startschuss.
15 zumeist junge Leute sind es,
die sich an der Idee, in der Hohenstein-Ernstthaler Innenstadt alte
und neue Kunstrichtungen zu einem neuen Ganzen zu
kombinieren, beteiligen wollen. Sie trafen
sich zum ersten Mal im Hohenstein-Ernstthaler Jugendhaus "Off
is", um über den Artfusionskeller zu
sprechen. Projektleiter Lothar Becker, der als Sozialarbeiter im "Off
is" arbeitet, und in der Region als
Autor bekannt ist, konnte zum Treffen auch gleich die erste Neuigkeit
verkünden: Für das Projekt hat er eine Herberge gefunden, einen
ehemaligen Blumenladen mitten in der
Hohensteiner Innenstadt. Die zentrale Lage sei ihm dabei sehr
wichtig, sagt der Limbach-Oberfrohnaer,
denn das Artfusionskeller-Projekt
soll offen sein für alle. "Ich will
auch immer die Tür auflassen.
Wenn jemand kommt und sagt, er
will mitmachen, dann darf er das",
sagt Lothar Becker.
Am 12. März ist ein weiteres
Treffen geplant, bei dem unter anderem der expressionistische Film
"Das Kabinett des Dr. Caligari" angeschaut wird. Es gehe dabei darum,
Ideen für den Artfusionskeller zu
sammeln. Denn bislang steht nur
ein grober Rahmen: Bis zum Herbst
soll eine Revue im Stile der "Goldenen 20er" auf die Beine gestellt
werden, in der allerdings aktuelle Themen aufgriffen werden und die mit
modernen Ausdrucksformen, etwa
Rap-Gesang, kombiniert wird. Im
Mittelpunkt stehen aber die Kunstformen des Dadaismus und des
Expressionismus. (KIT)
INFORMATION
Wer sich dem Projekt anschließen möchte, kann sich im Jugendhaus "Off is" unter
Telefon 03723 411269 bei Lothar Becker
melden. Weitere Informationen gibt es im
Internet unter der Adresse http://www.art-fusions-keller.de.vu/
Freie Presse, 26. Februar 2004:
Goethe als Rockstar
Lothar Becker aus Limbach-Oberfrohna startet Kunstprojekt "Artfusionskeller"
Limbach-Oberfrohna/Hohenstein-Ernstthal.
Lothar Becker, Autor, Dichter und Musiker aus Limbach-Oberfrohna, gibt morgen
Abend den Startschuss für ein
Kunstprojekt, das unter dem Titel
"Artfusionskeller" traditionelle und
moderne Kunstformen zu einem
neuen Ganzen zusammenführen
soll. Experimentell sollen Gedichte
aus dem Expressionismus als Rap
oder Zitate aus Goethes "Faust" als
Rock'n'Roll neu dargestellt werden.
Das Projekt ist öffentlich, So dass
sich jeder mit seinen Ideen einbringen kann.
Ein erstes Treffen
aller, die an dem Projekt mitwirken wollen, findet morgen, 20 Uhr in
Hohenstein-Ernstthal im Jugendhaus
"Off is" in der Schillerstraße statt.
Das Jugendhaus, für das Lothar Becker als Sozialarbeiter tätig ist, ist
auch der Ausrichter des "Artfusionskellers".
"Wir brauchen sämtliche Talente", wirbt Becker um
Interessenten. Das Projekt sei so angelegt, dass sich Jung und Alt
einbringen sollen und gegenseitig von ihren Erfahrungen mit den
verschiedenen Kunstformen profitieren. Die
Arbeit am aktuellen Projekt "Artfusionskeller" soll keinesfalls, wie es
der Begriff "Keller" im Titel befürchten lässt, irgendwo im stillen
Kämmerlein erfolgen. Mitten in der Innenstadt Hohenstein-Ernstthals hat
Lothar Becker einen Laden gemietet, der zum Atelier umfunktioniert
werden soll und in dem alle Aktionen ablaufen werden. "Die Leute,
die durch die Stadt gehen, sollen hereinkommen und dazu angehalten
werden, mitzumachen", sagt Becker.
Gefördert wird das Projekt, das
bis Ende des Jahres dauert, vom Regierungspräsidium Chemnitz und
vom Landesverband Soziokultur in
Dresden. Bereits vor zwei Jahren haben Lothar Becker und das "Off is"
Erfahrungen in der Arbeit in soziokulturellen Kunstprojekten
gesammelt. Damals probten vorwiegend
Jugendliche aus dem Chemnitzer
Land das 60er-Jahre-Musical "Busstop Memories" und führten es in
der Region auf. (KIT)
Service: Weitere Informationen zum Projekt "Artfusionskeller" können im
Jugendhaus "Off is" unter Telefon 03723/411269
erfragt werden.
Freie Presse, 14./15. Februar 2004:
Rockoper "Faust" trifft auf Rapgesang von Tucholsky
Neue und alte Kunst sollen sich im "Artfusionskeller" vereinen - Jugendhaus "Off is" ruft Projekt ins Leben - Bürgerbeteiligung ist gefragt
VON DENNIS KITTLER
Hohenstein-Ernstthal. Was wohl
gewesen wäre, wenn Goethe den
"Faust" nicht als Drama, sondern als
Rockoper geschrieben hätte? Oder
Kurt Tucholsky, Meister der spitzen
Zunge, seine "Herr-Keuner"-Geschichten als Rap-Gesang
dargeboten hätte? Spannend wäre das
schon, zu sehen, wie die "alten Herren" sich im modernen
Kulturdschungel zurechtfinden. Lothar
Becker, Schriftsteller und Autor,
noch dazu Musiker und künstlerisch breit Interessierter, wagt das
Experiment und möchte gemeinsam mit Hohenstein-Ernstthalern
und Menschen aus der Umgebung
unter dem Titel "Artfusionskeller"
ein großes Kunstprojekt aufziehen.
Der Name verrät bereits, um was
es in dem bis Ende des Jahres dauernden Projekt, das über das
Jugendhaus "Off is" läuft, gehen soll: Um
die "Zusammenführung mehrerer
bestehender Richtungen der bildenden Kunst, Literatur,
Musik zu einem neuen Ganzen", wie es in der
Projektbeschreibung heißt. Alte literarische Werke sollen etwa mit moderner
Musik - Techno, Hip Hop,
Rock - ganz neu umgesetzt werden
und dann aber auch wieder in einer
althergebrachten künstlerischen
Form präsentiert werden. Kurz: Alle
möglichen Künste kommen in einen großen Topf, werden
umgerührt und dann in neuer Form wieder serviert.
Die Idee ist nicht neu und
stammt - passend zu einem künstlerisch-literarischen Projekt - aus
einem Buch: Hermann Hesses "Das
Glasperlenspiel". Thematisiert wird
darin die Geschichte eines Glasperlenspielers der meint, die Kunst sei
an einer Innovationsgrenze angelangt. Aus den bestehenden
Künsten, den Glasperlen, erschafft er nun
neue Kunstformen.
Daran sollen sich nun auch
Kunstinteressierte und -laien, die
experimentierfreudig sind, versuchen.
Die Idee, die Lothar Becker
hat, ist schnell erläutert: In einem
öffentlichen Raum, möglichst einem leer stehenden Laden inmitten
der Hohenstein-Ernstthaler Innenstadt,
wird gearbeitet, werden Ideen
gesammelt und kleine künstlerische Projekte umgesetzt und, wenn
sie fertig sind, auch aufgeführt. Der
Laden soll offen sein für alle - zum
Reinschnuppern, kurzen Verweilen,
Quatschen und zum aktiven Mitmachen. Mitmachen im übrigen
kann jeder, ob Jung oder Alt. "Das
Projekt soll auch ein bisschen dazu
dienen, die Barrieren zwischen Älteren und Jüngeren zu überwinden",
sagt Lothar Becker.
Damit das Projekt, das vom Landesverband Soziokultur in Dresden
und vom Regierungspräsidium in
Chemnitz mit insgesamt 17.000 Euro gefördert wird, ein Erfolg wird,
hofft Becker auf die rege Mithilfe
der Bevölkerung. "Eine große Bürgerbeteiligung ist sehr erwünscht -
damit das Kunstprojekt auf den ganzen Ort ausstrahlt", sagt Becker.
Bedingung für eine Förderung war
auch, dass Kunstprojekte wie der
"Artfusionskeller" und wie vor zwei
Jahren das erfolgreiche Musical
"Busstop Memories", das ebenfalls
von Lothar Becker geleitet wurde,
generationenübergreifend sind und
eine gewisse regionale Wirkung in
strukturschwächeren Gebieten haben.
Wer sich gern als Künstler versuchen möchte und Lust hat, selbst
einmal ein expressionistisches Gedicht zu schreiben oder einen
Tucholsky-Rap ausarbeiten möchte,
der solle sich unbedingt melden,
wirbt Lothar Becker. Im Jugendhaus
"Off is" ist er wochentags unter Telefon
03723/411269 zu erreichen.
An gleicher Stelle soll am 27. Februar auch ab 19 Uhr ein erstes Treffen
stattfinden, bei dem sich jeder weiter informieren kann.
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